Liebe als Schlüsselemotion der extremen Rechten?

Ökologie, affektive Politik und die Anastasia Umweltsiedler-Bewegung in Deutschland

Manuela Beyer

Manès Weisskircher

Schlagworte: Extremismusforschung, Extremismus- und Populismusforschung, Anastasia


Abstract

In der Forschung wird der Aufstieg der extremen Rechten in der Regel mit einer Vielzahl negativer Emotionen verbunden, insbesondere mit Angst und Wut. Dieser Artikel analysiert den Fall der rechtsextremen Umweltsiedler-Bewegung Anastasia, die sich im Kontext des Umweltaktivismus diskursiv auf die positive Emotion der Liebe konzentriert. Unser wesentlicher theoretischer Beitrag besteht darin, die Bedeutung der Liebe für die Mobilisierung der extremen Rechten hervorzuheben und gleichzeitig die verschiedenen Funktionen des Liebesdiskurses zu rekonstruieren. Unsere Perspektive füllt damit eine Lücke in Debatten über die Rolle von Emotionen, rechtsextremer Mobilisierung und Umweltschutz , indem wir die Relevanz (a) der expliziten Ablehnung negativer Emotionen, (b) der Schaffung von „Räumen der Liebe” in ländlichen Gebieten und (c) der Liebe als diskursivem Instrument der Legitimierung. Methodisch stützen wir uns auf eine Analyse von Primärtexten, wie Romanen und Anastasia-Webseiten sowie auf semistrukturierte Interviews. Unsere Ergebnisse leisten einen Beitrag zu einem erweiterten Verständnis von Phänomenen wie Ökofaschismus oder Autoritärer Nachhaltigkeit. Darüber hinaus werfen sie ein neues Licht auf die emotionalen Grundlagen der aktuellen Welle der Mobilisierung der extremen Rechten in der Parteipolitik und Protestpolitik im Allgemeinen.


Autor/innen-Biografien

Manuela Beyer

  • Seit September 2023 Postdoc in der BMBF-Nachwuchsgruppe REXKLIMA
  • 2023 Promotion an der Freien Universität Berlin (Titel der Dissertation: „Emotionen im Wandel - Gesellschaft im Wandel. 60 Jahre Emotionsdiskurse in der BRAVO.“)
  • 2023 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Organisationssoziologie am Institut für Soziologie der MLU Halle
  • 2017–2023 Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Qualitative Methoden am Institut für Soziologie der Technischen Universität Chemnitz
  • 2015–2017 Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Soziologie an der Hochschule Rhein-Waal, Fachbereich „Gender and Diversity“
  • 2010–2013 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Exzellenzcluster „Languages of Emotion“, Freie Universität Berlin
  • 2010 Magistra Artium Soziologie, Psychologie und Journalistik an der Universität Leipzig
  • 2007 Master of European Political Sociology an der Dalarna University, Schweden

Manès Weisskircher

  • seit 2023 Nachwuchsgruppenleiter, Institut für Politikwissenschaft, TU Dresden
  • 2021–2022 Postdoctoral Fellow, Department of Sociology and Human Geography, Universität Oslo
  • 2019 PhD (Political and Social Sciences), Europäisches Hochschulinstitut
  • 2014 Master of Research (Political and Social Sciences), Europäisches Hochschulinstitut
  • 2013 Master of Science (Economic History), London School of Economics and Political Science
  • 2012 Magister (Internationale Entwicklung), Universität Wien
  • 2012 Magister (Politikwissenschaft), Universität Wien