Geflüchtete jüdische Mädchen während der NS-Zeit

Antisemitismuserfahrung, Emanzipation und emotionales Gedächtnis

Francesca Weil

Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der TU Dresden

Schlagworte: Diktaturforschung, Historische Bedingungen, Emigration, Flucht


Abstract

Der Beitrag stellt die Lebensgeschichte von Vera Woolf (geb. Altschuler, Wien 1934) vor, die als jüdisches Kind nach der Annexion Österreichs 1938 mit ihrer Familie über Le Havre in die USA flüchtete. Anhand ihrer Erinnerungen an Enteignung, Vertreibung und die Ambivalenz kindlicher Wahrnehmung – geprägt durch fehlende Angst trotz bedrohlicher Erlebnisse sowie durch späteres museales und familiäres Gedächtnis – zeichnet der Text Erfahrungen von Antisemitismus, Ausgrenzung und zugleich beruflicher Emanzipation in der US-amerikanischen Aufnahmegesellschaft nach. Vera Woolfs Biografie steht exemplarisch für das DIKUSA-HAIT-Projekt (2022–2025) am Hannah-Arendt-Institut an der TU Dresden, das die Lebenswege von 157 als Kindern geflüchteten jüdischen Frauen anhand von Interviewmaterial des Leo-Baeck-Instituts und der USC Shoah Foundation auswertet. Eingebettet in das Verbundnetzwerk „Aus, nach und innerhalb von Deutschland migrierte Frauen (1918–2018)“ untersucht das Projekt genderbewusst Fluchtrouten, Diskriminierungserfahrungen und emanzipatorische Chancen bei der Migration von Frauen. Die Ergebnisse sollen in einer digitalen Datenbank und mit einer interaktiven Karten visualisiert und für Forschung, Bildung und Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden – als Ergänzung, nicht Ersatz klassischer historiografischer Formate.


Autor/innen-Biografie

Francesca Weil, Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der TU Dresden

  • Seit 2007 wissenschaftliche Mitarbeiterin am HAIT
  • 2003–2006 Stipendiatin am HAIT
  • 1996–2002 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Zeitgeschichte an der Universität Leipzig
  • 1988–1995 wissenschaftliche Assistentin an der Sektion Geschichte der Pädagogischen Hochschule Leipzig und am Historischen Seminar der Universität Leipzig
  • 1988 Promotion zum Dr. phil.